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Diskussion um den künftigen Bundesvorstand

Um es gleich am Anfang der Erklärung zu sagen: Wir betrachten die Kandidatur von Dietmar Bartsch für den Parteivorstand als richtig und gut. Wir unterstützen deswegen seine Kandidatur.

Wir tun das nicht aus irgendwelchen Loyalitätsgründen heraus. Weder ist Dietmar Bartsch Mitglied des Fds – im Gegenteil, er selbst hat sich (wie es bei führenden GenossInnen mittlerweile üblich geworden ist) generell von Strömungen eher distanziert. Noch hat sich das Bundes-Fds zur Kandidatur bisher geäußert – ja sie nicht einmal diskutiert.

Gerade das hessische Fds hat bisher die Funktion der Strömungen auch nicht darin gesehen, sich an Personaldiskussionen zu beteiligen, sondern sich auf inhaltliche Impulse zu beschränken. Aber gerade diese Kandidatur hat einen zutiefst inhaltlichen Aspekt, zu genau dem wir uns hier äußern wollen – gerade weil sich in den alten Bundesländern kaum jemand findet, der sich traut diese Kandidatur offen zu unterstützen. Und auch dies hat inhaltliche Gründe.

Wir sind – zumindest teilweise – ja selbst GenossInnen, die eine linksradikale Sozialisation in den alten Bundesländern aktiv durchlebt haben. Und obwohl es keinerlei Anhaltspunkte dafür gibt, dass Dietmar Bartsch inhaltlich etwas anderes will, als das, was wir gerade in Erfurt programmatisch beschlossen haben, wissen wir deswegen doch genau, dass Dietmar Bartsch in seinem ganzen politischen Stil und Habitus nicht dem entspricht, was wir uns immer als radikalen linken Parteiführer vorgestellt haben.

Aber in dieser, unserer Vorstellung davon, welchen Verhaltenskodex man als „Linker“ einhalten muss, liegt vor allem unser ureigenes Problem: Wir haben uns eine demonstrative Abschottung von unserer sozialen Umgebung über die Jahre eingeübt und es uns auch in der linken ‚Wagenburg’ relativ bequem gemacht.

Auch in dieser Abschottung durch Haltungen und Phrasen sehen wir einen Grund dafür, dass wir heute nach der Euphorie der Gründungsphase – nach Umfragen – in keinem Flächenland der alten Bundesrepublik eine sichere Chance haben, in einem der Landtage wieder zurückzukehren, resp. überhaupt erst rein zu kommen. Nicht einmal in einer weiteren linken Öffentlichkeit sind wir im Westen eine inhaltlich prägende Kraft.

Es wird Dietmar Bartsch gelegentlich vorgeworfen, er habe keine „integrative“ Kraft. Aber wenn wir „Integration“ nicht ausschließlich parteiintern und vom Standpunkt des parteiinternen Mainstreams im Westen verstehen, dann gehört Dietmar Bartsch zu den wenigen Genossinnen und Genossen in der Partei, die von ihrer Persönlichkeit her in der Lage sind, Menschen mit ihren üblichen Vorbehalten gegenüber der LINKEN in der Gesellschaft für uns zu gewinnen. Das ist eine „Integrationskraft“, die wir dringend benötigen.

Natürlich versteht sich unsere Parteinahme für Dietmar Bartsch auf der Basis eine Doppelspitze. Wir brauchen für Dietmar ein weibliches Korrektiv, das insbesondere die Partei mit ihren Befindlichkeiten auch nach innen repräsentiert. Eine ‚Herzenskandidatin’ der Partei, die mit der Zusammenarbeit mit Dietmar Bartsch linken Pluralismus in der Partei vorleben kann. Ach dies wäre ein notwendiges Signal nach außen. Dabei wäre uns zweitrangig, aus welchem geographischen Teil unseres Landes die Genossin kommt.

Es ist an der Zeit, uns in der Mitgliedschaft offen, inhaltlich und ohne die üblichen Ressentiments den Personalfragen zu stellen und sie nicht nur Hinterzimmer-Zirkeln zu überlassen. Diese Erklärung zugunsten von Dietmar Bartsch will dazu auffordern und Mut dazu machen.

Jörg Prelle
fds-hessen, Mitglied im Bundesvorstand des fds

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Für einen sozial-ökologischen Wandel